Auslauf

Im biologischen Landbau muss den Hühnern stets Weidegang zur Verfügung stehen (4 qm/ Huhn). Mit unseren Mobilställen können wir diese richtige und wichtige Richtlinie bestens erfüllen, in dem wir den Hühnern durch das Verziehen der Ställe immer neue Grünflächen anbieten können. Hühner sind von Natur aus Waldrandbewohner und für ihre ausgeprägte Scharrtätigkeit sehr bekannt. Aus Angst vor Greifvögeln und anderen Raubtieren nutzen sie offene Flächen nicht so gerne wie die Nähe eines sicheren Verstecks. Würde man den Hühnern die gesamte Auslauffläche um den Stall zur Verfügung stellen, würde er sehr stark direkt um den Stall herum genutzt werden. Wird hingegen der Auslauf portioniert, nutzen die Hühner den Auslauf in der gesamten Fläche besser und eine Regeneration der Fläche ist so besser möglich. Um einen noch naturnäheren Lebensraum für die Tiere zu schaffen, werden auf der Wiese noch weitere Bäume, Büsche oder Versteckmöglichkeiten zur Verfügung gestellt.

Problematik des Brudertodes – Züchtung eines Öko-Huhns

Geschichtlich gesehen gibt es die ökologische Hühnerhaltung schon sehr lange, allerdings ursprünglich nur in kleineren Gruppen (weit unter 100 Tieren pro Betrieb). Erst in den letzten 15 Jahren ist durch die steigende Nachfrage an Bio-Eiern, ein explosionsartiger Anstieg von Legehennenhaltern und entsprechend deutlich größeren Stalleinheiten im Bio-Bereich zu verzeichnen. So gesehen ist die jetzige Form der ökologischen Hühnerhaltung sehr jung. Die Richtlinien zur Haltung von Legehennen im Biobereich wurden erst in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Das was jedoch aktuell noch fehlt ist ein richtiges Ökohuhn, welches robust ist, mit 100% Biofutter gefüttert werden kann, eine ansprechende Legeleistung hat und die männlichen Tiere gemästet werden können. Die Eierlegeleistung der allgemein in Deutschland gehaltenen Legehennen (Hybridhühner) wurde durch jahrzehntelange Züchtung immer weiter optimiert. Durch diese einseitige Züchtung gehen andere, wichtige Merkmale wie Robustheit oder der Fleischansatz mit der Zeit verloren. Deshalb ist das männliche Tier (der Bruder) auch nicht mehr kostendeckend als Masthahn zu vermarkten. Daraus resultiert sowohl im konventionellen als auch im Bio-Bereich der Brudertod, d.h., die männlichen Kücken werden unmittelbar nach dem Schlüpfen getötet (geschreddert). Um dieses, schwerwiegende Problem zukünftig zu vermeiden, gibt es im Biobereich (speziell Demeter) aktuell verschiedene Ansätze.

1. Mast der Hybridhähnchen als Übergangslösung:

Hierbei werden die Brüder der Legehennen gemästet. Dies ist aber sehr teuer, da die Hähnchen sehr lange brauchen, um ein entsprechendes Mastgewicht zu erreichen (18-20 Wochen). In diesem Alter ist der Hahn bedingt durch die Geschlechtsreife nicht mehr als Brat- oder Grillhähnchen zu vermarkten und kann nur in Form einzelner Teilstücke oder in Form von Gläsern (Suppe, Frikassee, Sülze, Fond etc.) vermarktet werden. Mit der Vermarktung der Brudergläser haben wir Anfang 2016 auf dem Neuhof begonnen. Aktuell sind wir jedoch noch nicht dazu in der Lage, alle männlichen Tiere vom Legehennenaufzüchter mit aufziehen, mästen und für uns verarbeiten zu lassen. Die Vermarktung der Bruderhähne in Form von Gläsern ist nur über eine Quersupventionierung durch das Aufschlagen des Eierpreises möglich, ansonsten würden die Gläser Mehrkosten verursachen. Hierfür müssen alle Beteiligten mit ins Boot, da sowohl Ladner, als auch Großhändler und jeder einzelne Verbraucher ein Bewusstsein für die Thematik entwickeln müssen.
Jedem muss einfach klar sein, dass ein Durchschnittsbürger 250 Eier im Jahr isst. Das entspricht ungefähr der Legeleistung einer Standard-Legehenne im Jahr, die sich nach ca. einem Jahr durch die zurückgehende Legeleistung nicht mehr wirtschaftlich rechnet und damit auch „entsorgt“ werden muss. Und diese Henne hat einen Bruder. Jeder einzelne kann dem Brudertod entgegenwirken, indem er neben den Eiern einen Hahn pro Jahr und eine entsprechende Althenne in Form eines Suppenhuhnes verzehrt.

2. Haltung von Zweinutzungsrassen:

Zweinutzungsrassen verfügen über eine vernünftige Eierlegeleistung und einen guten Fleischansatz. Wir haben diesbezüglich über mehrere Jahre, verschiedene Rassen getestet und haben dabei festgestellt, dass durch den höheren Futterbedarf dieser Hennen und die geringere Eierlegeleistung ein Ei mindestens 60 Cent kosten müsste, was jedoch aus aktueller Sicht von den Verbrauchern noch nicht getragen werden kann. Der Bruder lässt sich allerdings deutlich besser mästen und ist mit ca. 16 Wochen schlachtreif und als Brat- und Grillhähnchen vermarktbar. Die etwas kostengünstigere Mastleistung der Hähnchen und die einfachere Vermarktung können die geringere Eierlegeleistung der Hennen aber nicht ausgleichen. Obwohl wir uns gegen die Haltung der weiblichen Tiere der Zweinutzungsrasse „Bress Gauloise“ entschieden haben, halten wir nach wie vor Masthähnchen dieser Rasse, weil sie geschmacklich hervorragend sind und sich auch gut vermarkten lassen. Die Schwestern dieser Hähne werden auf anderen Betrieben als Legehennen gehalten.

3. Züchtung eines Ökohuhns:

Dieser Ansatz konkretisiert sich im Moment in ganz Deutschland, nachdem nun drei Elterntierherden zur Verfügung stehen, mit welchen gezüchtet werden kann, sich eine Ökotierzucht GmbH gegründet hat und erste Forschungsansätze hoffentlich bald beginnen können. Die Züchtung wird viele Jahre bis Jahrzehnte in Anspruch nehmen und bedarf eines Startkapitals von 10 Millionen Euro. Wir tragen zu dieser Züchtung als Betrieb aktuell in der Form bei, dass wir Tiere, die von jenen Elterntieren abstammen (immer wieder eine unterschiedliche Anzahl an Tieren) halten und testen.
Auch in der konventionellen Hühnerhaltung wird mit Hochdruck an Lösungen zur Vermeidung des Brudertodes gearbeitet, da es bald verboten ist Eintagskücken zu töten. Wir sind dringend auf Ihre Unterstützung angewiesen, indem Sie Brudereier, Gockelprodukte und Althennen abnehmen, denn wir als Betrieb alleine können dem Brudertod nicht entgegenwirken.