Die Hühner

Wir haben fünf Hühnerställe, die insgesamt ca. (3x 770, 1x 360, 1x 380 Stück) 3050 Hühner beherbergen. Einer der Ställe ist ein feststehender, die vier anderen sind sogenannte Mobilställe in verschiedenen Größen. Unter einem Mobilstall versteht man einen Stall, der mit Hilfe eines Traktors an eine andere Stelle gezogen werden kann. Alle vier Mobilställe werden von Frühjahr bis Herbst(ca. alle 10-14 Tage) über die Wiese verzogen und wenn es die Witterung zulässt auch im Winter. Im Winter werden die Ställe bei feuchter Witterung mit Stroh oder Hackschnitzeln eingestreut. Das Verziehen der Ställe ist meistens nur von März bis November möglich, da die Wiese aufgrund der feuchten Witterung durch das Verziehen der Ställe einen zu großen Schaden nehmen würde.

Einrichtung

Alle Ställe sind so ausgestattet, dass die Hühner nachts auf verschiedenen Ebenen sitzen können, so wie sie dies in der freien Natur als „Waldrandbewohner“ auch tun würden. Da Hühner auch sehr gerne als Mistkratzer bezeichnet werden, und es in der freien Natur eine so große Hühnerzahl wie diese nicht gibt, ist es aus hygienischen Gründen notwendig ein Kotband oder eine Kotgrube an der Stelle einzubauen, an der die Tiere sich am meisten aufhalten. Dieses Kotband darf nicht von den Tieren zugänglich sein. Es wird von einem Motor angetrieben und wird wöchentlich geleert. Damit möglichst viel Kot auf das Kotband fällt wird den Hühnern sowohl das Futter als auch das Wasser auf der begehbaren, erhöhten Ebene verabreicht. Die Sitzgelegenheiten sind so gebaut,
dass ein Huhn möglichst naturnah seine Verhaltensweisen ausleben kann. Durch das Hüpfen und Flattern kann ein Huhn jede Stelle der Anlage problemlos erreichen.

Legenest

Ebenfalls in jedem Stall befinden sich Legenester. Diese sind so genannte Familiennester, d.h. viele Hühner können sich zusammen ein großes Nest teilen. Auch hier hat man sich aus dem natürlichen Verhalten der Tiere einen dunklen und geschützten Ort zum Legen der Eier abgeschaut. Die Legeunterlage besteht aus weichen, verformbaren Noppen. Außerdem ist sie leicht schräg, so dass die Eier, nachdem sie gelegt wurden, auf ein Band abrollen können. Dieses Band kann per Hand oder motorisiert in Bewegung gesetzt werden und erleichtert somit das Einsammeln der Eier.

Wintergarten

Außerdem hat jeder Stall einen so genannten Wintergarten, der im Bio Verband "Demeter" vorgeschrieben ist. Er stellt eine Art "zweiten Stall" dar, in dem die Tiere, wenn es z.B. aufgrund der Witterungsverhältnisse (Regen, Sturm; Schnee oder Hitze) nicht möglich ist auf die Weide zu gehen, mit den Klimareizen in Kontakt kommen. Das heißt, die Wände des Wintergartens bestehen aus luftdurchlässigen Netzen/Drähten. Dies stärkt ihre Abwehrkräfte und bringt zusätzlich Entlastung und Ruhe durch mehr Platz. Im Wintergarten befinden sich zusätzlich Sandbäder, die es den Hühnern ermöglichen, sich das Gefieder zu säubern und kleine Steinchen, die bei der Verdauung helfen, aufzunehmen.
Futter
Die Tiere bekommen teilweise aus dem eigenen Anbau folgendes Futter: Weizen, Ackerbohnen, Triticale, Mais und ein zusätzliches Ergänzungsfutter (Protein-, Vitamin-, Kräutermischung), welches zugekauft werden muss, aber aus 100% -igem Bio-Anbau stammt. Das Getreide und das Ergänzungsfutter werden grob geschrotet und in einem bestimmten Verhältnis gemischt. Es steht den Hühnern über das Futterband oder Futtertröge ständig zur Verfügung. Außerdem bekommen die Hühner nachmittags vorgekeimtes Getreide, ca. 30 g pro Huhn in gekeimter Form. Hierzu werden verschiedene weniger hochwertige Getreidearten wie z.B. Roggen, Hafer oder Gerste durch das Keimen in ihren Nährstoffgehalten aufgewertet und sind somit für die Legehennen besser verwertbar, was sich positiv in der Legeleistung der Hühner widerspiegelt. Dies ist nicht nur für die Hühner gut, sondern stellt auch einen positiven Effekt für die Vielfalt der angebauten Getreidesorten auf dem Acker dar.

Neben der täglichen Futteraufnahme von ca. 130g Getreideschrot + 30 g Keimgetreide, frisst das Huhn noch Gras und Kleinsttiere wie Insekten und Regenwürmer.

Hähne

Zu einer gut funktionierenden Hühnerherde gehören auch Hähne. Sie übernehmen für die Hühner die Wach -und Ordnungsfunktion. Meist führt ein Hahn eine Hennengruppe von 10- 50 Hühnern. Die Wichtigkeit der Hähne ist auch in den Richtlinien des Demeterverbandes festgehalten, der als einziger Bio-Verband vorschreibt, dass 1 Hahn auf 50 Hühner gehalten werden muss.

Auslauf

Im biologischen Landbau muss den Hühnern stets Weidegang zur Verfügung stehen (4 qm/ Huhn). Mit unseren Mobilställen können wir diese richtige und wichtige Richtlinie bestens erfüllen, in dem wir den Hühnern durch das Verziehen der Ställe immer neue Grünflächen anbieten können. Hühner sind von Natur aus Waldrandbewohner und für ihre ausgeprägte Scharrtätigkeit sehr bekannt. Aus Angst vor Greifvögeln und anderen Raubtieren nutzen sie offene Flächen nicht so gerne wie die Nähe eines sicheren Verstecks. Würde man den Hühnern die gesamte Auslauffläche um den Stall zur Verfügung stellen, würde er sehr stark direkt um den Stall herum genutzt werden. Wird hingegen der Auslauf portioniert, nutzen die Hühner den Auslauf in der gesamten Fläche besser und eine Regeneration der Fläche ist so besser möglich. Um einen noch naturnäheren Lebensraum für die Tiere zu schaffen, werden auf der Wiese noch weitere Bäume, Büsche oder Versteckmöglichkeiten zur Verfügung gestellt.
Problematik des Brudertodes – Züchtung eines Öko-Huhns
Geschichtlich gesehen gibt es die ökologische Hühnerhaltung schon sehr lange, allerdings ursprünglich nur in kleineren Gruppen (weit unter 100 Tieren pro Betrieb). Erst in den letzten 15 Jahren ist durch die steigende Nachfrage an Bio-Eiern, ein explosionsartiger Anstieg von Legehennenhaltern und entsprechend deutlich größeren Stalleinheiten im Bio-Bereich zu verzeichnen. So gesehen ist die jetzige Form der ökologischen Hühnerhaltung sehr jung. Die Richtlinien zur Haltung von Legehennen im Biobereich wurden erst in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Das was jedoch aktuell noch fehlt ist ein richtiges Ökohuhn, welches robust ist, mit 100% Biofutter gefüttert werden kann, eine ansprechende Legeleistung hat und die männlichen Tiere gemästet werden können. Die Eierlegeleistung der allgemein in Deutschland gehaltenen Legehennen (Hybridhühner) wurde durch jahrzehntelange Züchtung immer weiter optimiert. Durch diese einseitige Züchtung gehen andere, wichtige Merkmale wie Robustheit oder der Fleischansatz mit der Zeit verloren. Deshalb ist das männliche Tier (der Bruder) auch nicht mehr kostendeckend als Masthahn zu vermarkten. Daraus resultiert sowohl im konventionellen als auch im Bio-Bereich der Brudertod, d.h., die männlichen Kücken werden unmittelbar nach dem Schlüpfen getötet (geschreddert). Um dieses, schwerwiegende Problem zukünftig zu vermeiden, gibt es im Biobereich (speziell Demeter) aktuell verschiedene Ansätze.
1. Mast der Hybridhähnchen als Übergangslösung: Hierbei werden die Brüder der Legehennen gemästet. Dies ist aber sehr teuer, da die Hähnchen sehr lange brauchen, um ein entsprechendes Mastgewicht zu erreichen (18-20 Wochen). In diesem Alter ist der Hahn bedingt durch die Geschlechtsreife nicht mehr als Brat- oder Grillhähnchen zu vermarkten und kann nur in Form einzelner Teilstücke oder in Form von Gläsern (Suppe, Frikassee, Sülze, Fond etc.) vermarktet werden. Mit der Vermarktung der Brudergläser haben wir Anfang 2016 auf dem Neuhof begonnen. Aktuell sind wir jedoch noch nicht dazu in der Lage, alle männlichen Tiere vom Legehennenaufzüchter mit aufziehen, mästen und für uns verarbeiten zu lassen. Die Vermarktung der Bruderhähne in Form von Gläsern ist nur über eine Quersupventionierung durch das Aufschlagen des Eierpreises möglich, ansonsten würden die Gläser Mehrkosten verursachen. Hierfür müssen alle Beteiligten mit ins Boot, da sowohl Ladner, als auch Großhändler und jeder einzelne Verbraucher ein Bewusstsein für die Thematik entwickeln müssen.
Jedem muss einfach klar sein, dass ein Durchschnittsbürger 250 Eier im Jahr isst. Das entspricht ungefähr der Legeleistung einer Standard-Legehenne im Jahr, die sich nach ca. einem Jahr durch die zurückgehende Legeleistung nicht mehr wirtschaftlich rechnet und damit auch „entsorgt“ werden muss. Und diese Henne hat einen Bruder. Jeder einzelne kann dem Brudertod entgegenwirken, indem er neben den Eiern einen Hahn pro Jahr und eine entsprechende Althenne in Form eines Suppenhuhnes verzehrt.
2. Haltung von Zweinutzungsrassen: Zweinutzungsrassen verfügen über eine vernünftige Eierlegeleistung und einen guten Fleischansatz. Wir haben diesbezüglich über mehrere Jahre, verschiedene Rassen getestet und haben dabei festgestellt, dass durch den höheren Futterbedarf dieser Hennen und die geringere Eierlegeleistung ein Ei mindestens 60 Cent kosten müsste, was jedoch aus aktueller Sicht von den Verbrauchern noch nicht getragen werden kann. Der Bruder lässt sich allerdings deutlich besser mästen und ist mit ca. 16 Wochen schlachtreif und als Brat- und Grillhähnchen vermarktbar. Die etwas kostengünstigere Mastleistung der Hähnchen und die einfachere Vermarktung können die geringere Eierlegeleistung der Hennen aber nicht ausgleichen. Obwohl wir uns gegen die Haltung der weiblichen Tiere der Zweinutzungsrasse „Bress Gauloise“ entschieden haben, halten wir nach wie vor Masthähnchen dieser Rasse, weil sie geschmacklich hervorragend sind und sich auch gut vermarkten lassen. Die Schwestern dieser Hähne werden auf anderen Betrieben als Legehennen gehalten.
3. Züchtung eines Ökohuhns: Dieser Ansatz konkretisiert sich im Moment in ganz Deutschland, nachdem nun drei Elterntierherden zur Verfügung stehen, mit welchen gezüchtet werden kann, sich eine Ökotierzucht GmbH gegründet hat und erste Forschungsansätze hoffentlich bald beginnen können. Die Züchtung wird viele Jahre bis Jahrzehnte in Anspruch nehmen und bedarf eines Startkapitals von 10 Millionen Euro. Wir tragen zu dieser Züchtung als Betrieb aktuell in der Form bei, dass wir Tiere, die von jenen Elterntieren abstammen (immer wieder eine unterschiedliche Anzahl an Tieren) halten und testen.
Auch in der konventionellen Hühnerhaltung wird mit Hochdruck an Lösungen zur Vermeidung des Brudertodes gearbeitet, da es bald verboten ist Eintagskücken zu töten. Wir sind dringend auf Ihre Unterstützung angewiesen, indem Sie Brudereier, Gockelprodukte und Althennen abnehmen, denn wir als Betrieb alleine können dem Brudertod nicht entgegenwirken.