Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ)

Was ist ein FÖJ?
  • Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ist ein ökologisches Bildungsjahr für junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren.
  • Es geht um Natur und Umwelt.
  • Es ist kein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis.
  • Es ist freiwillig.
  • Es wird mit einem Taschengeld und einem Unterkunfs- und Verpflegungszuschuss entlohnt.
  • Neben der praktischen Tätigkeit gibt es 5 begleitende Seminare.
  • Es dauert in der Regel ein Jahr (vom 1. August an).
Für genauere Informationen: www.foej-rlp.de
Der Träger des FÖJ auf unserem Hof ist der BUND: www.bund-rlp.de

Einsatzkonzept / Projekt für die Teilnehmerin / Teilnehmer:
  • Täglich anfallende Stallarbeiten: Kühe melken, Kälber tränken, Kühe füttern, ausmisten & auf die Weide bringen, Schweine füttern & ausmisten, Hühner ausmisten, Eier sammeln, sortieren & abpacken.
  • Im Sommer Mithilfe bei der Futterernte für die Tiere im Winter (Heu, Silage)
  • Mithilfe bei Arbeiten im Bereich des Ackerbaus (vom Vorbereiten des Ackers, übers Säen bis hin zum Ernten).
    Pflanz-, Hack- und Erntearbeiten im Gemüsebereich.
  • Im Winter Forst- und Landschaftspflegearbeiten (Heckenpflege & Aufbereiten von Brennholz).
  • Mithilfe in der Direktvermarktung z.B. zweimal wöchentlich Wochenmärkte & Auslieferungen.
  • Maschinenpflege und Reparaturarbeiten.
  • Verantwortungsübernahme von Teilbereichen der oben beschriebenen Tätigkeitsfelder.
Unterkunft und Verpflegung
Auf dem Hof kann ein eigenes Zimmer angemietet werden. Verpflegung nach Absprache

Besonderheiten
Wir wünschen uns eine/n FÖJler/in, der/die tatkräftig zupacken kann, selbstständig, aber auch unter Anleitung arbeiten kann, teamfähig ist und Wind, Wetter & Dreck nicht scheut! Durch die Vielseitigkeit unseres Betriebes, ist es dem/der FÖJler/in nicht nur möglich verschiedene Bereiche kennen zu lernen, sondern auch neue Perspektiven & eigene Ideen zu entwickeln & einzubringen. Außerdem sind wir ein Familienbetrieb mit 4 Generationen. Ein Führerschein wäre von Vorteil, ist jedoch nicht zwingend erforderlich..
Diese und weitere Informationen sind hier zu erhalten!

Erfahrungsbericht über ein Jahr auf dem Neuhof als FÖJler (2014/2015):
Es waren nur wenige Stunden vergangen seitdem ich meine Online-Bewerbung für einen Platz als FÖLer am Neuhof abgeschickt hatte, da läutete bei mir das Telefon. Ich konnte es kaum glauben, als sich die nette Dame am anderen Ende der Leitung als Hannah Goyert vom Neuhof vorstellte und mich dazu einlud, gleich in drei Tagen zum Probearbeiten zu erscheinen. Ich muss dazu sagen, dass ich fast schon die Hoffnung aufgegeben hatte, ein Jahr auf einem Bauernhof zu verbringen und stattdessen gleich mit dem Studium zu beginnen, denn wie ich erfahren hatte waren die meisten Plätze Mitte Juli längst schon vergeben. Doch darin lag vermutlich mein großes Glück. Andernfalls wäre ich – aus München stammend – vermutlich nicht auf die Idee gekommen, mich auf einem Hof in Rheinland-Pfalz zu bewerben. Eigentlich war die Stelle auf dem Neuhof auch schon vergeben gewesen, doch leider fiel die eigentliche FÖJlerin krankheitsbedingt aus. Nachdem ich also an meinem spontanen Probearbeitstag mein Bestes gegeben hatte, setzte sich meine Glückssträhne fort: Hannah und Markus teilten mir noch auf der Fahrt zurück zum Bahnhof mit, dass sie sich mich als ihren neuen FÖJler vorstellen könnten. Und so kam es, dass ich Anfang September in unfassbar aufregende, erlebnisreiche und wunderschöne elf Monate am Neuhof startete. Meine anfängliche Euphorie wurde aber durch die Tatsache etwas gedämpft, dass ich in der ersten Woche das Gefühl hatte alles mögliche falsch zu machen. Doch dieser Trugschluss wurde gleich im ersten der regelmäßig stattfindenden Einzelgespräche mit Markus und Hannah ausgeräumt. So konnte ich mich wieder mit vollem Elan auf die Arbeit stürzen. Ich kann es selbst kaum glauben, wie gerne ich jeden Morgen aufgestanden bin und ich kann mich nicht erinnern, im vergangenen Jahr jemals das klassische, nicht sehr angenehme “Montagsgefühl” gehabt zu haben. Insgesamt kann ich sagen, dass hier am Neuhof kein Tag wie der andere war. Die Arbeiten sind so vielfältig und unterschiedlich, dass einem nie langweilig wird. Klar gibt es auch viele Routinearbeiten, die sich regelmäßig wiederholen, aber sogar da war es sehr spannend selbst zu merken wie sie immer schneller und einfacher von der Hand gingen. Durch die große Vielfältigkeit des Hofes – was sowohl die Tiere und den Ackerbau, als auch die Vermarktung der eigenen Produkte und die angrenzende Gärtnerei, in der ich einmal die Woche mithelfen durfte, angeht – konnte ich in unglaublich viele Bereiche Einblick gewinnen. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass ich im vergangenen Jahr mehr gelernt habe als auf dem Gymnasium – wenn auch vorwiegend praktische Tätigkeiten. Dennoch hatte ich auch die Gelegenheit die theoretischen Grundlagen der Landwirtschaft kennen zu lernen und ein Verständnis für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise, wie sie am Neuhof praktiziert wird, zu entwickeln. Zu meinen Lieblingsarbeiten zählten auf jeden Fall die Arbeiten mit den Traktoren, auch wenn ich am Anfang noch etwas mit den 32 Gängen, dem Hebel zum automatischen Anfahren und der nicht funktionierenden Handbremsenleuchte überfordert war. Ein absolutes Highlight war für mich als “Kuh-Fan” auch das Melken der verbliebenen vier Milchkühe, das ich in den letzten Monaten meines FÖJs übernehmen durfte. Aber wie gesagt gab es darüber hinaus noch viele, viele tolle (und selbstverständlich manchmal auch weniger tolle) Arbeiten, angefangen beim Schweine füttern und ausmisten, über das tägliche Eier einsammeln bei den Hühner bis hin zu Arbeiten mit Motorsäge und Holzspalter im Winter im zum Hof zugehörigen Wald. Auch außerhalb der Arbeitszeiten empfand ich das Leben hier auf dem Hof mehr als harmonisch. Ich wurde direkt so liebenswürdig in die große Familie aufgenommen, dass ich mich vom ersten Tag an wohl gefühlt habe. Obwohl der Hof doch relativ weit ab vom Schuss liegt, habe ich mich anders als einige meiner FÖJler-Kollegen, wie sie auf den regelmäßigen Seminaren erzählt haben, in der kompletten Zeit nie einsam gefühlt. Das lag zum einen eben sicher daran, dass es mir sehr leicht gemacht wurde, mich mehr wie ein Familienmitglied als wie ein Außenstehender zu fühlen. Zum anderen hat es auch sehr gut getan durch die Anwesenheit eines Auszubildenden und vieler verschiedener Praktikanten Kontakt zu in etwa Gleichaltrigen gehabt zu haben. Mit unserer eigenen kleinen aber feinen Küche hatten wir sogar einen Rückzugsbereich, wo der ein oder andere lustige Abend stattgefunden hat. Abschließend möchte ich noch allen lieben Menschen auf dem Neuhof dafür danken, dass sie mir dieses unglaublich tolle Jahr ermöglicht haben. Ich habe hier Erfahrungen gemacht, die ich womöglich sonst nie in meinem Leben hätte sammeln können und die ich mein Lebtag nicht vergessen werde. Ich werde euch sehr vermissen und wünsche euch alles Gute für die Zukunft!
Andreas Rapp: 01.09.2014-31.07.2015

Erfahrungsbericht über ein Jahr auf dem Neuhof als FÖJlerin (2011/2012):
Wenn ich meinen Mit-FÖJlern auf den gemeinsamen Seminaren erzähle, dass ich von morgens 7 Uhr bis abends 18:30 Uhr arbeite und mir die sogenannten "Überstunden" (die ich meiner Meinung nach nicht mache) nicht aufschreibe, sehen sie mich mit großen Augen an und fragen mich, wieso das denn so sei und warum und weshalb. Ich muss dann überlegen, dabei ist die Antwort eigentlich total einfach:
Ich stehe auf, wenn mein tolle, sehr lauter Wecker unbarmherzig klingelt. Draußen ist es mittlerweile schon so warm, dass man im T-Shirt arbeiten kann. Im Winter war das natürlich anders, da war die Zwiebeltechnik angesagt und dunkel war es ebenfalls. Und kalt sowieso, teilweise sogar Minus 20 °C nachts. Ohne Schnee. Wir verbrachten die Tage damit, die Wasserleitungen aufzutauen und nicht selbst einzufrieren. Aber jetzt ist es schön warm und es riecht nach Frühling. Die Bäume werden langsam grün und die Vögel zwitschern hier oben aus welchem Grund auch immer besonders schön. Ich muss lächeln. Sofort bin ich gut gelaunt und pfeife leise, während ich zum Kälberstall laufe. Ein ungeduldiges " Muuuuuuuuuuuuuuuuuuuuh!" ertönt. "Ist ja gut!", rufe ich den kleinen Kälbern lachend zu. "Ihr bekommt auch gleich was zu Fressen!" Ich füttere die Rinder und Kühe, die noch nicht auf der Weide sind, dann wird die erwärmte Milch für die Kälber geholt, welche sie in einem Tempo wegschlabbern, dass man kaum schauen kann. Im Moment werden nur 3 Tiere getränkt, aber bald werden es wieder mehr sein. Wenn die Kühe und Rinder wieder auf die Weide kommen, bevölkern die Kälber den Stall. Kleine und sehr hungrige Kälber. Aber sie sind schon putzig, wenn sie ihre Nase beim Trinken kräuseln und dann jedes Mal protestieren, wenn der Eimer leer ist. Es macht immer wieder aufs Neue Spaß, ihnen zuzusehen.
Mein Magen knurrt und ich beeile mich mit dem Eimersäubern. Nach dem Frühstück geht's weiter. Das kann alles Mögliche sein: Zaun auf-oder abbauen, Ställe ausmisten, an Traktoren rumwerkeln, Futter schroten, Brennholz sägen und diverse andere Arbeiten. Hier fällt immer etwas an. Zum Beispiel DIE HECKE zurückschneiden. Heißt: In Dornen rumwühlen weil die Hecke, die eine Weide begrenzt, weg muss. In dieser tollen Schnittschutzhose, in die ich 3 Mal reinpasse, komme ich mir sehr männlich vor. Mit riesengroßen Männerschritten, die ich mir hier erst mal angewöhnt habe um Schritt halten zu können, stapfe ich dann neben Markus her, der mir erklärt, wieso die Hecke wegmuss.
Oder im Hofladen arbeiten, vor allem Abokisten packen, aufräumen, putzen und den Laden für die Kunden herrichten. Ich verkaufe auch selbst im Hofladen. Anfangs fand ich das alles sehr kompliziert. Vor allem die verschiedenen Käsesorten trieben mich fast in die Verzweiflung. Jeden Freitag fragte ich mich: "Wo, verdammt, ist jetzt nochmal der junge Gouda und wer oder was ist überhaupt Grinkenschmied und wie viel kostet das alles? AAAAAAAAAAAAAH!" Hat man das dann rausgefunden (oder nicht rausgefunden, sondern nachgefragt), kommt das nächste Problem: die Kasse, in die alles eingetippt werden muss. Es dauert eine Weile, aber irgendwann hat man auch das ziemlich schnell drauf. Außerdem gehe ich mit auf den Markt und da muss man das einfach können. Wenn eine Kundenschlange von 20 Leuten vor dir steht und du erst mal auf dem Zettel nach der Nummer für Spinat (24) suchen musst, oder Pastinaken (61), oder Bananen (81), und das bei einer Bestellung für insgesamt 50 Euro, dann wird die Schlange nicht wirklich kürzer außer die Kunden verschwinden irgendwann weil sie keine Lust mehr haben zu warten. Aber es macht total Spaß, auf den Markt zu gehen, man kommt mal raus, hat die Möglichkeit auch mal kurz einzukaufen (falls man was braucht, denn eigentlich bekommt man auf dem Neuhof wirklich alles) und man lernt auch ein paar Leute kennen.
Um 12 Uhr gibt es hier Mittagessen, danach ist Mittagspause bis um 13:30 Uhr. Außer am Donnerstag, da ist nämlich Gärtnereitag und die Mittagspause geht bis um 14 Uhr. Außerdem kann man morgens bis zum Frühstück schlafen, was auch mal ganz gut tut. Die Donnerstage habe ich sowieso sehr gern, in der Gärtnerei ist auch immer was zu tun und es macht mir total Spaß. Gut, im Winter bestand meine Hauptbeschäftigung darin, Zwiebeln zu putzen (die äußere Schale abmachen), Kartoffeln und Karotten zu sortieren und Dosen zu bekleben, aber jetzt geht es los mit aussäen. Es ist wirklich spannend, die kleinen Samen in Erde zu legen und dann zu sehen, wie die Pflanze wächst, erst winzig ist und dann immer größer wird, bis sie schließlich auf das Feld gepflanzt werden kann und man irgendwann die ersten Zucchini ernten kann. Oder Kürbisse. Oder Tomaten. Oder alles Mögliche andere Gemüse.
Nach der Mittagspause gibt es auch wieder genug zu tun und man freut sich schon wieder auf die halbstündige Kaffeepause (für mich Nicht-Kaffeetrinker gibt es netterweise auch Tee). Danach werden dann die Hühner mit Weichfutter gefüttert, die Eier gesammelt und sortiert. Teilweise schiebt man hier schon mal 240 Euro in einer Schubkarre mit sich rum, da fährt man nochmal doppelt so vorsichtig! Aber wenn man sich nicht total blöd anstellt passiert auch Nichts! Also keine Angst.
Die Kälber wollen natürlich auch wieder getränkt werden, also wieder Milch erwärmen und verfüttern.v
Da FÖJ-ler, Azubis und vielleicht gerade anwesende Praktikanten eine eigene Küche haben, können wir selbst bestimmen, wann wir zu Abend essen. Eben dann, wenn alle fertig sind und Hunger haben. Dort sitzen wir dann auch zusammen, erzählen und haben Spaß! Hier sind schon legendäre Vier-Mann-"Parties" gestiegen, die am nächsten Tag zwar ihre Spuren hinterließen, aber unschlagbar lustig waren und sind und außerdem ja auch das soziale Zusammenleben stärken. Und solange man nicht nachts um 3 Uhr schreiend über den Hof rennt, sagt hier auch niemand etwas dagegen.
Die Goyerts sind sowieso wahnsinnig nett und es macht Spaß, mit ihnen zusammen zu arbeiten. Erstens wissen alle sehr viel und teilen ihr Wissen und Zweitens sind sie menschlich auch wirklich unschlagbar! Klar, man muss sich erst mal an alles gewöhnen, vor allem an bestimmte Eigenarten der Einzelnen, aber durch ihre offene Art fühlt man sich schnell wie zu Hause.
Ich kann Euch nur empfehlen, auf den Neuhof zu kommen, vor allem, wenn ihr Spaß an körperlicher Arbeit habt, gerne mit Tieren und Menschen zusammenarbeitet und in der Natur seid. Man lernt hier unglaublich viel, über Landwirtschaft und Tierhaltung natürlich, aber auch selbstständig und auf eigene Verantwortung zu arbeiten. Dadurch, dass man wirklich viel Freiraum hat und auch eigene Vorschläge einbringen kann, wird man natürlich selbstbewusst(er). Und wenn man dann den Neuhof nach einem Jahr verlässt, dann wird man auf jeden Fall mit mindestens einem weinenden Auge gehen. Und was man sich vornehmen sollte, ist, wieder mal zurück zu kommen. Das sagen vermutlich alle, aber ich werde es tun (Ja ja, warum wohl?! ;) ) und alle, die hier wirklich glücklich waren, bestimmt auch.
Meike Schäfer: 1.8.2011-31.7.2012